Der Münchener Konzern gilt seit jeher als einer der wichtigsten Indikatoren der deutschen Wirtschaft. Die Gründe hierfür liegen in der weit gefächerten Produktpalette des Unternehmens und deren Mischung. Während einige Bereiche sehr feinfühlig auf die Konjunktur und dem auf und ab reagieren, folgen andere mit Verzögerung.
Auf den ersten Blick gute Aussichten für das kommende Jahr
Die Geschäftsführung von Siemens erwartet für das kommende Geschäftsjahr eine Umsatzsteigerung von drei bis fünf Prozent sowie einen stagnierenden Gewinn in Höhe von etwa 6 Mrd. Euro. Nicht wenige Manager anderer Konzerne würden bei diesen Zahlen für ihr Unternehmen in Jubel ausbrechen. Hierfür sieht man weder bei Siemens noch bei den Wirtschaftsfachleuten einen Grund, im Gegenteil: Diese Daten treiben ihnen die Sorgenfalten auf die Stirn.
Lange Zeit von guter Ausgangslage verwöhnt und vom Aufschwung beflügelt verliert der Vorreiter an Tempo, die Kundschaft beginnt mit Aufträgen zu geizen. Prompt sackte der Kurs der Aktie ab, Analysten hatten einen höher angesetzten Gewinn erwartet. Außerdem hat die Notwendigkeit, der Tochter Nokia-Siemens, für die man händeringend einen Käufer sucht, mit 500 Millionen Euro unter die Arme zu greifen, einen schwarzen Fleck auf der weißen Weste hinterlassen.
In einigen Bereichen existiert dringender Handlungsbedarf
Schließlich musste im Bereich der erneuerbaren Energien mit 231 Millionen Euro nahezu der gesamte Kaufpreis aus dem Geschäft mit der israelischen Solel abgeschrieben werden. Der Rückgang der Auftragseingänge um 2 % in dieser Sparte trug ebenso wenig zur Beruhigung der Fachleute bei wie der Hinweis, dass in der Medizintechnik Kosten gespart und in der Strahlentherapie Stellen abgebaut werden sollen.
Anscheinend arbeiten die Seismografen der Wirtschaft zuverlässig. Siemens spürt tatsächlich bereits jetzt die drohende Konjunkturflaute.
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